Falsch gedacht: 7 Irrtümer rund ums Heizen.

Kaum sind die Weihnachtsbäume aus der Wohnung geflogen und die letzten Reste des Silvesterfeuerwerks von der Kehrmaschine verschluckt, könnte für manch einen der Winter am liebsten auch schon wieder zu Ende sein. Doch leider fängt Gevatter Frost gerade erst an, es sich bei uns einzurichten – und kalt in die Wohnungen zu kriechen.

Gut, wenn man da eine funktionierende Heizung hat. Also flugs nach Hause gerannt und den Regler voll aufgedreht, damit es rasch warm wird! Aber bekommt man sein Zimmer wirklich schneller beheizt, wenn man das Thermostat des Heizkörpers auf die höchste Stufe stellt? Diesen und andere Heiz-Mythen klären wir im folgenden Artikel auf.

1.) Auf 5 wird die Heizung schneller warm.

Ein Thermostat ist kein Wasserhahn. Im Gegensatz zum Wasserhahn regelt man am Heizkörper nämlich nicht das Verhältnis von warmem zu kaltem Wasser, sondern stellt bloß die gewünschte Solltemperatur für das Zimmer ein. Ist diese erreicht, vermindert ein Ventil den Wasserdurchlauf im Heizkörper. Die Temperatur des Wassers, das durch den Heizkörper fließt, ist davon unabhängig. Das heißt, dass bei einem Heizungsregler auf höchster Stufe lediglich das Ventil später schließt (etwa bei einer Zimmertemperatur von 25 °C statt bei 21 °C).

 

2.) Die Schneeflocke schützt vor Rohrbruch.

Dieser Irrtum kann einen teuer zu stehen kommen, wenn man etwa in den Winterurlaub fährt und, um Energie zu sparen, sämtliche Regler auf Frostschutz stellt. Denn diese Einstellung schützt nur den jeweiligen Heizkörper. Frieren bei Dauerfrost allerdings die Leitungen in der Außenwand ein, kommt die Versicherung für die entstandenen Schäden nicht auf. Laut Gerichtsurteil ist nämlich jeder dazu verpflichtet, in der kalten Jahreszeit ausreichend zu heizen. Gerade bei längerer Abwesenheit sollten Rohre und Wände daher nicht allzu stark auskühlen. In Mehrfamilienhäusern werden die Heizungsrohre freilich von den anderen Parteien mitbenutzt, wodurch die Gefahr eingefrorener Leitungen sinkt.

3.) Gleichmäßige Wärme spart Energie.

Dieser Mythos stimmt zu einem Teil. Wer in geschlossenen Räumen Beklemmungen bekommt oder aus ganz praktischen Gründen alle Zimmertüren geöffnet hält, sollte tatsächlich darauf achten, dass die Heizkörper aufeinander abgestimmt sind. Ansonsten würde ein Heizkörper die Arbeit der anderen mit übernehmen, worauf er nicht ausgerichtet ist. Ein erhöhter Energieaufwand wäre die Folge. In allen anderen Fällen sollte jedoch die Raumtemperatur der jeweiligen Nutzung angepasst sein. So reichen im Schlafzimmer meist um die 17 °C, um sich wohlzufühlen, im Bad haben es dagegen viele gern wärmer. Geschlossene Zimmertüren helfen auf diese Art, Heizkosten zu sparen.

 

4.) Ein Grad weniger bringt nichts.

Es gibt viele Faktoren, die das Potenzial, Energie durch eine niedrigere Temperatureinstellung zu sparen, beeinflussen: Isolierung, Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit. Pauschal kann man jedoch für jeden Grad weniger ungefähr 6 Prozent Heizkosteneinsparung ansetzen. Heizt man die Diele also statt auf 21 °C nur auf 17 °C, sinken die Heizkosten um 24 Prozent.

5.) Aus dem Haus, Heizung aus.

Dieser flotte Spruch, den man mitunter zu hören bekommt, kann Missverständnisse provozieren. Zwar leuchtet es ein, dass es an einem Arbeitstag, bei dem man 10 Stunden außer Haus ist, Verschwendung wäre, die Wohnung durchgehend kuschelig warm zu halten. Zu stark auskühlen sollte sie trotzdem nicht. Das hat zwei Gründe:

Zum einen den Kachelofen-Effekt. Wie ein Kachelofen braucht kaltes Mauerwerk sehr lange, bis es warm geworden ist; diese Wärme wird gespeichert und kontinuierlich wieder abgegeben. Damit man schneller zu einer angenehmen Raumtemperatur gelangt, muss die Zimmerluft stärker erhitzt werden, um die abstrahlende Kälte der Wand auszugleichen – das bedeutet einen erhöhten Energieaufwand. Wer also abends in eine eisige Wohnung kommt, heizt unnötigerweise für die Nacht mit, ohne von der Speicherkapazität des Mauerwerks zu profitieren.

Zum anderen droht bei ausgekühltem Mauerwerk die Gefahr von Schimmelbildung, weshalb Experten dazu raten, die Wohnung nicht kälter als 15-17 °C werden zu lassen. Gerade in Altbauten mit großer Außenwand sollte man daher die Heizung niemals für längere Zeit abdrehen, wenn draußen die Kälte klirrt.

 

6.) Mit Vorhängen hält man die Wärme in der Wohnung.

Je weiter man in den Norden kommt, umso seltener werden Rollläden. Das mag eine regionale Geschmackssache sein oder mit dem Wind zusammenhängen, der an Küsten und im Flachland an den Fassaden rüttelt. In Bezug auf ihre Energiesparmöglichkeiten wären Rollläden allerdings eine Anschaffung wert. Dagegen hat selbst schwerer Gardinenstoff in puncto Wärmehaushalt nur einen geringen Effekt. Im Gegenteil: Die warme Heizungsluft versteckt sich hinter den Vorhängen, anstatt sich im Zimmer auszubreiten. Verdeckt ein Stück Gardine darüber hinaus das Thermostat, wird der darin liegende Wärmefühler durch die gestaute Heizungsluft getäuscht: Das Ventil schließt und der Heizkörper wird nicht richtig warm.

7.) Mieter dürfen elektronische Thermostate nicht eigenmächtig installieren.

Auch wenn man mit elektronischen Thermostaten weit weniger Heizkosten einspart, als die Hersteller versprechen, sind sie eine komfortable Sache: Sämtliche Heizkörper bringen pünktlich vor dem Aufstehen und Nachhausekommen die Wohnung auf die gewünschte Temperatur und selbst im ausgedehntesten Winterurlaub kann man sich vor Rohrbrüchen schützen, indem man die Helferlein so programmiert, dass regelmäßig etwas Warmwasser durch die Leitungen fließt. Viele Mieter glauben jedoch, sich diesen Luxus nicht erlauben zu dürfen. Laut Verbraucherzentrale ist ein eigenmächtiger Austausch der Thermostate jedoch völlig unproblematisch – solange man die ursprünglichen Temperaturregler aufbewahrt.

 

 

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